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Namibisch-deutsch interaktiv und biodynamisch

Auf der biologisch-dynamischen Farm in Krumhuk hatten wir nicht nur eine lehrreiche und spannende Zeit, sondern auch eine Premiere: Der Versuch, eine Interaktion ins Rollen zu bringen, einen offenen Austausch rund um diese Form der Landwirtschaft. Die Teilnehmerquote viel zwar nicht besonders hoch aus, besonders tiefgreifend war aber das Interesse. Qualität statt Quantität ist eben nicht nur in der biodynamischen Landwirtschaft sondern auch bei MOViEMENT die Devise.

Nähe trotz Distanz

Die namibischen Farmbetreiber waren schlichtweg beeindruckt von den interessierten Emails und Blogkommentaren aus Deutschland. Nils, 25 Jahre jung, ist derzeit im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Bio-Landwirt und brennt leidenschaftlich für dieses Sachgebiet.

Dieses Feuer haben wir gleich dafür genutzt, um auf ein paar Antworten auf uns brennende Fragen und seine Sicht der Dinge zu bekommen. Den ersten Teil hatten wir ja bereits während unserer Zeit auf Krumhuk veröffentlicht. Um Euch thematisch für die bevorstehende Premiere unseres nächsten MOViEs einzustimmen, gibt es nun Teil zwei des Interviews mit dem angehenden Landwirt aus Norddeutschland.

Dieses war der erste Streich …
Bio-dynamische Landwirtschaft – was fällt Euch dazu ein?
… 
und der zweite folgt sogleich:

MOViEMENT: Welchen Stellenwert hat die biologisch-dynamische Landwirtschaft in Deutschland? Findet dieser Ansatz Beachtung, wird er weitgehend akzeptiert und wie viel/von wem wird er praktiziert?

Nils: Der biologisch-dynamischen Landwirtschaft haftet immer noch viel Reformhausstaub an. In der Schnelllebigkeit unserer westeuropäischen Gesellschaften ist dafür wahrscheinlich kein Platz und es besteht vermutlich leider ebenso kein Interesse.
In der Diskussion um die Landwirtschaft der Zukunft sollte sie vielleicht einfach in einer Einheit mit der ökologischen Landwirtschaft auftreten, zumal es zahlreiche gemeinsame Nenner gibt. Andererseits rührt das verzerrte Bild, dass viele konventionell wirtschaftende Kollegen vom Ökolandbau haben, eindeutig von der biologisch-dynamischen Seite her und ist in Diskussionen oftmals in nicht unbedingt dienlich.

MOViEMENT: Wie sieht es in der deutschen Bildungslandschaft damit aus: Ist dieser Ansatz ausreichend integriert? Wie gut sind die Möglichkeiten, sich in diese Richtung weiterzubilden? Gibt es neben Demeter auch noch viele andere Betriebe und Organisationen, die das praktizieren und ihr Wissen weitergeben?

Nils: Meines Wissens bieten nur Demeterhöfe die Möglichkeit, eine Ausbildung im biologisch-dynamischen Landbau zu machen. Sie dauert ein Jahr länger als die konventionelle Ausbildung zum Landwirt und ich denke es wäre schwierig, sich mit einem solchen Hintergrund auf dem Arbeitsmarkt abseits entsprechender Verbände zu bewähren. Was Seminare, Kurse, etc. betrifft, ist die ökologische Seite, vermutlich aus der Not geboren, ohnehin aktiver. An den Berufsschulen gibt es im Lehrplan für Auszubildende der Landwirtschaft zwar eine bislang fakultative Einheit zum ökologischen Landbau, diese wird aber weitestgehend ignoriert. Was hingegen möglich ist und auch praktiziert wird, ist einfach die Ausbildung zum Landwirt auf Höfen zu absolvieren, die als Ausbildungsbetrieb anerkannt sind und ihre Flächen ökologisch Bewirtschaften. In Witzenhausen kann man ökologischen Landbau studieren.

MOViEMENT: Der biologisch-dynamischen Landwirtschaft wird vorgeworfen, dass die grundlegenden Eckpfeiler, worauf sie sich begründet, und auch die Vorteile nicht wissenschaftlich belegt werden können.
Wie siehst du das, Nils? Was findest du kritisch und was unberechtigte Kritik? Siehst du die bio-dynamische LWS fest verankert mit dem Anthroposophischen oder davon abgekoppelt?

Nils: Ich kenne mich zugegebener Maßen nicht sehr gut mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft aus, kenne aber genügend Menschen, die manchmal ein gefülltes Horn vergraben. Beruht die Kritik, wie es häufig der Fall ist, nur auf diesem oder ähnlich belächelten Phänomenen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, finde ich sie unberechtigt. Man lässt hierbei außer Acht, dass es i.d.R. eines enormen Fachwissens bedarf, Flächen überhaupt biologisch zu bewirtschaften. Ein Totalherbizid spritzen kann hingegen Jeder. Auch wenn man an all jene Menschen denkt, die z.B. auf Demeterhöfen einen Platz und eine ausfüllende Tätigkeit gefunden haben, sollte man den Ansatz nicht abtun.
Ich denke eine biologisch-dynamische Landwirtschaft ohne anthroposophisches Weltbild entspricht ziemlich genau dem heute praktizierten, progressiven ökologischen Landbau. Beide können voneinander lernen.

MOViEMENT: Ist bio-dynamisches Landwirtschaften etwas „für jedermann“? Ist es alltagsfähig und für die breite Masse praktizierbar? Wo könnte man als Otto-Normal-Verbraucher anfangen?

Nils: Auch wenn ich es gerne so hätte, in einer arbeitsteiligen Gesellschaft wird kaum jemand seinen gepflegten Rasen durch einen kleinen Acker ersetzen den er mit dem Mist seiner Zweinutzungshühner düngt. Trotzdem kann man im Moment einen derartigen Zeitgeist beobachten – vielleicht nicht die schlechteste Entwicklung. Es würde für uns schon genügen, die Menschen näher an ihre Nahrungsmittel zu bringen, z.B. im Gespräch auf dem Wochenmarkt oder beim Einkauf im Hofladen. Dann kämen die Erlöse auch direkt bei den Produzenten an und man würde keine Frühkartoffeln aus Ägypten mehr kaufen.

Eine Einladung nach Krumhuk hat Nils bereits erhalten, wir sind gespannt, was aus der Vernetzung wird.

Lieber Nils, vielen Dank für dein Interesse und das spontane Interview! Wir wünschen dir weiterhin so viel Leidenschaft und freuen uns auf weitere Begegnungen mit dir.

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