Den Karren mit biologisch-dynamischer Landwirtschaft auf dem Dreck ziehen? © 2012 . All rights reserved.

Bio-dynamische Landwirtschaft – was fällt Euch dazu ein?

Gerade eben sind wir bei unserem neuen Projekt angekommen, auf Krumhuk. Bis Donnerstag haben wir Zeit zu sehen und zu verstehen, was die Leute hier bewegt und was sie bewegen. Unser besonderes Interesse gilt dabei der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, die hier auf der Farm praktiziert wird und 70 % des Bedarfs der 80-Köpfigen, hier lebenden multikulturellen Bevölkerung deckt.

Zum einen brennen uns selbst viele Fragen dazu unter den Nägeln. Zum anderen wollen wir Euch die Chance geben, zu Wort zu kommen und diesen Akt unserer Learning-Journey mitzugestalten.

 

Was interessiert Euch rund um das Thema des bio-dynamischen Landwirtschaftens?

Stellt EURE FRAGEN. Teilt EURE GEDANKEN dazu mit uns. Und wer kann, darf gerne sein WISSEN beisteuern. Nutzt die untenstehenden Kommentarfelder in diesem Blog, bohrt nach und kommentiert was das Zeug hält!

Wir jagen so gut es geht nach Antworten!

  • Zum einen durch unsere Expedition hier auf Krumhuk, mit der Aussicht, dass wir aus Jahrzehnte langer Erfahrung in diesem Bereich schöpfen können. Wir werden mit Farmern und Dorfbewohnern sprechen und Eure wie unsere Anliegen direkt in Erfahrung bringen können.
  • Zum anderen durch einen offenen Austausch hier im Blog, in der Hoffnung, dass wir voneinander profitieren. Beteiligt Euch als Interessierte genauso wie als Experten!
  • Darüber hinaus gehen wir bei Twitter auf Antwort-Jagd. Mit dem Potential, einen gut besuchten Raum dafür zu nutzen, Fragen an ein breites und vielfältiges Publikum zu stellen. Auch hier kann sich ein jeder, der Lust hat, einbringen: #biodynamisch

Ihr seid herzlich zu einem offenen Austausch – hier im Blog wie auch auf Twitter – mit uns und anderen Interessierten eingeladen!!!

 

Wir machen schon mal den Anfang!

Denn als reisend Lernende gibt es auch für uns viel, das wir selbst besser verstehen und einordnen wollen. Nils hilft uns dabei und freut sich über einen solch deutsch-namibischen Austausch. Der 25jährige ist angehender Bio-Landwirt mit Ausbildung in Schleswig-Holstein. Derzeit arbeitet er auf einem Bioland-Milchbetrieb. Er war so nett, und hat sich ersten Fragen unsererseits schon gestellt:

MOViEMENT: Zum Beispiel beschäftigt uns, welches Potential der biologisch-dynamischen Landwirtschaft zugeschrieben werden kann. Kann diese Form der Landwirtschaft eine zukunftsfähige Antwort auf die übermäßige Belastung unserer Böden, durch Schadstoffe, einseitigen Anbau und Massenproduktion beispielsweise, sein?

Nils: Unter dem Aspekt nachhaltiger Landnutzung muss man die biologisch-dynamische Landwirtschaft konkret als Gegenentwurf zu einer industriell geprägten, ressourcenintensiven Landwirtschaft verstehen. Gleiches gilt für die ökologische Landwirtschaft. Beide vertrauen in der Produktion auf das Wissen über natürlich ablaufende Prozesse und sind nicht inputbasiert, d.h. man wirtschaftet z.B. ohne mineralischen Stickstoffdünger- stattdessen binden Leguminosen wie Lupine oder die auch auf Krumhuk angebaute Luzerne den Luftstickstoff und machen ihn für andere Kulturpflanzen verfügbar.

Der Preis für synthetische Düngemittel steht in einer engen Beziehung zum Ölpreis, darum wird er in Zukunft stetig ansteigen. Mit dem vermehrten Einsatz von Pestiziden entstehen auf lange Sicht Resistenzen bei (Un)kräutern und tierischen Schädlingen. Bei monokulturellem Anbau von Kulturpflanzen wie Mais wird der im Boden befindliche Humus sukzessive abgebaut, Böden verarmen, sind kaum noch zu bewirtschaften- gerade für Kleinbauern in nach unseren Maßstäben weniger entwickelten Regionen bietet der Ökolandbau die Chance dieser Katastrophe zu entgehen, womöglich noch bevor wir es getan haben.

Mit einer an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepassten, ökologischen Bewirtschaftung der Flächen kann Autonomie und Nahrungssicherheit geschaffen oder gewahrt werden, bestenfalls unter Berücksichtigung traditioneller Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden.

MOViEMENT: Worin unterscheidet sie sich ganz konkret die biologisch-dynamische gegenüber der ökologischen Landwirtschaft?

Nils: Unterschiede bestehen meiner Meinung nach besonders in der ideologischen Verwurzelung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, in der Anthroposophie und einer starken sozialen Komponente. Natürlich ist die ökologische Landwirtschaft auch ideologisch geprägt, aber ihr fehlt die ganzheitliche Anschauungsweise. Das kann sowohl positiv als auch negativ bewertet werden.

 

Wie seht Ihr das? 

Fühlt Euch frei zu kommentieren! Bringt Euch und alle Fragen ein, die Euch rund ums biologisch-dynamische Landwirtschaften interessieren! Noch bis einschließlich morgen versuchen wir Antworten danach auf Krumhuk zu finden. Auch Nils ist an einem regen, gerne auch langfristigen Austausch interessiert.

Lasst uns gemeinsam ein bisschen Schlauer werden!

6 Comments

  1. Elena

    Ich würde gerne wissen, warum “nur” 70% des Bedarfs der 80 köpfigen Bewohner gedeckt werden kann? Auf dem Betrieb wird sowohl Brot gebacken, Rinder (Milch + Fleisch) gehalten als auch Gemüse angebaut. Warum kann der Bedarf der Bevölkerung nicht zu 100% gedeckt werden? Die Flächen scheinen mir groß genug.

    • Liebe Elena,
      wir freuen uns über dein Interesse und haben damit gleich Christiane, eine der Mitbegründerinnen der Betriebsgesellschaft Krumhuk, überfallen. Sie erklärte uns, dass es hier zwar viel frei Fläche (8000 Hektar!!!) gibt, auf der Ackerbau jedoch nur sehr eingeschränkt möglich ist. Daher muss Getreide, wie zum Beispiel Mehl zum Brot backen oder Millipap (Maismehl, ein Grundnahrungsmittel welches zu einer typischen Beilage verarbeitet wird), zugekauft werden. Ebenso decken Butter und Eier aus eigener Produktion den Bedarf nicht.

      Das rührt zum einen daher, dass die Produkte auch vermarktet werden, um dadurch laufende Kosten, wie beispielsweise Strom- und Wasserversorgung, Reparaturen, Gehälter etc., zu decken.

      Zum anderen wird die traditionelle namibische Farm transformiert – was schon weit fortgeschritten ist, aber dennoch Ziele offen lässt. So wurde zum Beispiel fruchtbares Ackerland im Norden zugekauft und auch die Kleinviehhaltung soll erweitert werden.

      Im Prinzip bewegt sich Krumhuk damit in Richtung Selbstversorgung, sofern man auf Luxusgüter, wie Schokolade und Kaffee, verzichten könnte.

  2. Elena

    Und noch eine aus Umweltschutzsicht sehr wichtige Frage: Woraus besteht das Futtermittel für die Rinder? Ist auch ein Anteil Soja enthalten und/oder wird nur selbst hergestelltes Futter gefüttert?

    • Eine Besonderheit auf Krumhuk ist die Vielfalt an landwirtschaftlichen Produktionsbereichen und damit das Landwirtschaften unter ganzheitlich-systemischen Gesichtspunkten.

      Heißt: Auch Futteranbau wird hier betrieben, so dass nichts zugekauft werden muss. Die Rinder lassen sich Krumhuker Heu und Luzerne gut schmecken – kein Soja!

  3. Claudia

    Wie gute ist den die Ertragslage bei biologisch-dynamischer Landwirtschaft im Verglich zu ökologischer? Ist es in Ländern in denen Nahrungsmittel auch mal knapp sein können, sinnvoll diesen Weg zu gehen?

    • Ich finde, das ist eine sehr gute Frage. Die Frage der Produktivität hat sehr viel mit Standort zu tun und auch mit menschlicher Kompetenz im Anbau. Wir zum Beispiel haben hier gar keine vergleichbaren Werte zur Verfügung, dadurch dass wir recht einmalig insolar auf Krumhuk arbeiten und das Wasser uns Produktionsgrenzen setzt.

      Allgemein kann man sagen, dass wir mehr Wert auf Qualität als auf Quantität in der Produktion legen.

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